yogabody

Der jüngste Neuzugang in der Yogabibliothek ist das englischsprachige Buch yogabody von Judith Hanson Lasater.

In den fünf Kapiteln Locomotor System, The Vertebral Column, The Lower Extremity, The Trunk und The Upper Extremity wird jeweils auf Knochen, Gelenke, Bindegewebe, Nerven, Muskeln und Kinesiologie eingegangen. Was das Buch neben den anatomischen Informationen interessant macht, sind die Abschnitte über Experiential Anatomy am Ende jedes Kapitels, in denen die behandelten Themen auf die Yoga-Praxis angewendet werden.

Hier zwei frei übersetzte Beispiele. Einmal Adho Mukha Svanasana:

Lassen Sie Ihre Schüler*innen auf der rutschfesten Matte in den Vierfüßlerstand gehen, um sich auf Adho Mukha Svanasana vorzubereiten. Nun sollen sie ausatmen und ihre Bauchorgane dazu anregen, sich nach oben in Richtung Wirbelsäule zu bewegen. Die Bauchmuskeln spannen sich dabei zwar an, aber sie sollen sich vorstellen, dass die Bewegung stattdessen von den Organen ausgeht. Dies verändert die Qualität der Bewegung und steigert das innere Bewusstsein. Bitten Sie sie, beim Ausatmen weiter nach oben zu strecken, sodass sich ihre Arme strecken, das Gewicht jedoch auf ihren Händen und Armen nach vorne verlagert bleibt. Bitten Sie sie, einzuatmen und ihre Bauchmuskeln bewusst zu entspannen, damit sich ihre Bauchorgane senken und die Lendenwirbelsäule eine leichte Rückbeuge annimmt. Schlagen Sie ihnen vor, beim Ausatmen die Fersen in den Boden zu drücken und sich nach hinten zu bewegen, um das meiste Gewicht auf ihre Beine zu verlagern.

Oder ein praktisches Beispiel zu Adho Mukha Vrksasana, das tatsächlich häufig übersehen wird:

Der Fuß verfügt über drei Hauptgewölbe, um die Gewichtsbelastung zu erleichtern. Es liegt daher nahe, dass es gerade bei einer Struktur, die normalerweise nicht belastet wird – wie beispielsweise dem Handgelenk – von Vorteil wäre, auch dort ein Gewölbe zu bilden. Lassen Sie Ihre Schüler*innen dieses Experiment ausprobieren. Bitten Sie sie, sich auf der Matte auf Hände und Knie zu begeben, die Handflächen flach auf den Boden zu legen – direkt unter den Schultern – und sich dann nach vorne zu beugen. Dabei werden sie höchstwahrscheinlich einen Druck auf der Streckseite ihrer Handgelenke spüren.

Nachdem Sie diese Übung beendet haben, bitten Sie sie, ihre Hände wieder auf die Matte zu legen und dann die Fingerspitzen leicht nach hinten zu schieben, sodass sich die Handfläche wölbt. Lassen Sie sie sich erneut nach vorne beugen. Das Gewicht verteilt sich nun auf die gesamte Hand, und das Handgelenk wird sich deutlich besser anfühlen.

Insgesamt ist es ein lesenswertes Buch, wenn man nicht zu tief in die Anatomie einsteigen möchte. Manchmal wäre es schön gewesen, auf anatomische Fachsprache zu verzichten oder sie direkt zu übersetzen. „Legen Sie Ihre Handfläche nach oben (…) und halten Sie die Schultergelenke leicht abduziert. Beugen Sie nun Ihr Handgelenk (…). Achten Sie darauf, wie sich die mediale Seite stärker beugt und die radiale Seite sich weniger beugen lässt.“ könnte man auch einfacher so beschreiben: „Dreh deine Hand so, dass die Handfläche nach oben zeigt, und halte deine Arme etwas vom Körper weg. Beuge dann dein Handgelenk nach vorne. Achte dabei darauf, dass sich die Seite Richtung kleinem Finger stärker bewegt, während sich die Seite beim Daumen weniger gut beugen lässt.

Da es sich jedoch um ein Fachbuch handelt, ist es den Leser*innen wohl zuzumuten, sich an die Sprache zu gewöhnen. In den Abschnitten zur Experiential Anatomy wird meist auf Fachsprache verzichtet.

yogabody – Anatomy, Kinesiology and Asana, 2009
Judith Hanson Lasater, Ph.D., P.T.

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