Regeneratives Üben im Iyengar-Yoga

Die regenerative Praxis zielt auf die Fähigkeit, präsent zu sein, feine Ausrichtungen wahrzunehmen und mit vollem Bewusstsein zu atmen.

Es geht um die Fähigkeit bewusst und verbunden zu bleiben, selbst wenn die Welt uns in hundert verschiedene Richtungen zieht. Indem eine gestützte Haltung gehalten wird, trainierst du deinen Geist und dein Nervensystem, sich zu stabilisieren. Diese Standfestigkeit überträgt sich auf alle anderen Aspekte der Praxis – und des Lebens.

Regeneratives Üben ist nicht das Gegenteil aktiver Praxis — es ist deren notwendige Ergänzung. Beide bilden zusammen den vollständigen Yoga.

Abhyāsa-vairāgyābhyāṁ tan-nirodhaḥ — die Beruhigung des Geistes entsteht durch Praxis (Abhyāsa) und Loslassen (Vairāgya).
— Yoga Sutra I.12:

Ohne Vairāgya bleibt die Praxis an der Oberfläche — reine Körperkultur. Erst beides zusammen macht Yoga zur Yoga-Praxis im Sinne Patañjalis.

Denn in der Stille zeigt sich, was die Aktivität verdeckt. Regeneratives Üben konfrontiert — mit dem Geist, mit dem Nervensystem, manchmal mit verdrängten Zuständen.

In der aktiven Praxis gibt es immer eine nächste Aufgabe: den nächsten Atemzug, die nächste Korrektur, die nächste Stellung. In der Stille gibt es das nicht mehr.

Was dann sichtbar wird: Ruhelosigkeit, Ungeduld, das Bedürfnis nach Kontrolle oder Leistung. Daher ist regeneratives Üben für manche Schüler:innen am Anfang nur schwer tolerierbar.

Aber mit wiederholter regenerativer Praxis verändert sich das Nervensystem, die Atemqualität, das Körperbewusstsein — und letztlich die Qualität der gesamten Praxis.

Sich zu entspannen bedeutet, die Spannung zu reduzieren. Spannung zu reduzieren bedeutet, die Fäden zu schneiden, die uns an die Identität binden. Identität zu verlieren bedeutet herauszufinden, wer wir nicht sind. Habe ich nicht gesagt, dass Intelligenz das Skalpell ist, das das Unwirkliche schneidet, nur die Wahrheit zu hinterlassen? Wie ihr auf der Erde in Savasana liegt, fühlt ihr euch nicht, wenn die Haltung harmonisch und ausgewogen ist, sowohl präsent als auch formlos? Wenn Sie sich präsent und doch formlos fühlen, fühlen Sie nicht die Abwesenheit einer bestimmten Identität? Du bist da, aber wer ist da? Niemand. Nur gegenwärtiges Bewusstsein ohne Bewegung und Zeit ist da. Gegenwärtiges Bewusstsein ist das Verschwinden der Zeit im menschlichen Bewusstsein.“
— BKS Iyengar
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YOGA SONNTAG 30. August 2026