The Truth of Yoga

Sehr zugängliches Buch über die Geschichte des Yoga und die vielen Einflüsse, die immer wieder zu einer Neuinterpretation geführt haben.

Dabei kommt es laut Simpson zu einer Vielzahl von Fehlinterpretationen, weder ist Yoga 5.000 Jahre alt - eher 1.600 - 2.500 Jahre, noch ist das Ziel des Yoga Vereinigung – in den Yoga Sutren von Patanjali, den im Westen wohl bekanntesten Yoga-Text, bedeutet es Loslösung, Isolation des reinen Bewusstseins (Purusa) von der (materellen) Welt (Prakriti).

"Postures de Yoga" (musée Guimet, Paris) - Flickr - dalbera.jpg

"Postures de Yoga" (musée Guimet, Paris) - Flickr - dalbera.jpg

Der Autor zeichnet die Geschichte des Yoga und die Wandlungen im Laufe der Zeit und in unterschiedlichen Kontexten nach.

Die Yoga-Praxis und das Ziel dieser Praxis, wie in der Mahabharata (400 v. Chr. - 400 n. Chr.) beschrieben, hat nichts mit modernen Postural-Yoga zu tun.

Er ist regungslos wie ein Stein“, [heißt es im Epos.] Er hört, riecht, schmeckt und sieht nichts; er nimmt keine Berührungen wahr, und [sein] Geist bildet keine Vorstellungen. Wie ein Stück Holz begehrt er nichts.
— Mahabharata (12.294.14-17)

Das ist wahrscheinlich nicht, was die meisten sich heute von ihrer Yoga-Klasse erhoffen.

Yoga hat aber schon immer zum Teil auch widersprüchliche Aspekte vereint. In der Bhagavad Gita, die Teil der Mahabharata ist, lässt sich ein weit weniger asketischer Zugang finden:

Mache die Belohnungen des Handelns nicht zu deiner Motivation, sagt er zu Arjuna. Erfülle deine Pflichten und lass dabei jegliche Anhaftung an das Ergebnis los.
— Bhagavad Gita (2.47–48).

Hier wird keine Askese verlangt und auch kein Rückzug aus dem Leben, sondern Hingabe (an Gott).

Interessant sind auch die Einflüsse des Tantrismus (500 - 1000 n. Chr.). Zu den tantrischen Ritualen gehörten reinigende Methoden zur Steuerung des Atems und anderer Lebensenergien. Zu dieser Ideenwelt gehören auch die Chakren, die in der westlichen Esoterik häufig als "real" missverstanden wurden. Dabei wurden sich feinstoffliche „Räder“ entlang der Wirbelsäule vorgestellt, die ursprünglich als Konzentrationspunkte dienten. Sie sind Erfahrungs- oder Meditationskategorien, keine anatomischen Strukturen.

Der tantrische Einfluss findet sich noch heute im Hatha Yoga. Nach wie vor ist spirituelle Freiheit das Ziel. Die Körperhaltungen (Asanas) dienen dazu, den Körper zu trainieren, wodurch es leichter fällt, lange Zeit zu sitzen, die Atmung zu steuern und sich zu konzentrieren. Das Ergebnis ist eine praktische Mischung aus früheren Ideen.

Und bis in die Gegenwart gibt es noch viele weitere Änderungen, die der Zeit, den Umständen (Kolonialismus und antikolonialer Befreiungskampf) oder Personen wie Vivekananda, K. V. Iyer oder Shri T. Krishnamacharya geschuldet sind.

Es steht uns frei, das zu ignorieren, was uns nicht relevant erscheint. Doch gerade deshalb ist es wichtig zu wissen, was die traditionellen Lehren besagen, und dies von unserer eigenen Interpretation zu unterscheiden.
Letztendlich ist Yoga ein System der Praxis und kein Glaubenssystem.
— Daniel Simpson, „The Truth of Yoga"

The truth of Yoga - A Comprehensive Guide to Yoga's History, Texts, Philosophy, and Practices
Daniel Simpson
5. Januar 2021

Weiter
Weiter

Die Wurzeln des Yoga